Der Name „Burschenschaft“ ist
abgeleitet von den mittelalterlichen „Bursen“ (studentische
Wohnheime mit gemeinsamer Kasse = lat. „bursa“) und deren Bewohnern,
den „Burschen“.
Ihre Wurzeln reichen - wie bei den anderen Studentenverbindungen -
bis ins Mittelalter zurück. Damals schlossen sich die Studenten
gleicher landsmannschaftlicher Herkunft zu „Nationes“ zusammen.
Diese entwickelten sich zu Landsmannschaften und den elitäreren
studentischen Orden. Die Orden glichen in ihrer straffen
Organisation den Freimaurern und lehnten den Pennalismus der alten
Landsmannschaften ab.
Gründung der
Urburschenschaft und Wartburgfest
Die heutigen Burschenschaften gehen auf die Jenaische
Urburschenschaft zurück, die am 12. Juni 1815 in Jena vor der
„Tanne“ gegründet wurde. Zwar gab es bereits Vorläufer in Halle
und Gießen, doch gelang in Jena die Überführung aller örtlichen
Landsmannschaften in die Burschenschaft. Die Gründer der
Urburschenschaft hatten an den Freiheitskriegen gegen die
napoleonische Fremdherrschaft in Freikorps teilgenommen (Wurzel
des burschenschaftlichen Grundsatzes der Wehrhaftigkeit) und
lehnten die Kleinstaaterei und Bevormundung durch die Fürsten
ab. Die von der Urburschenschaft gewählten Farben
schwarz-rot-gold leiten sich von der Uniform der Lützower Jäger
ab, denen zahlreiche Gründungsburschen angehört hatten. Die
Urburschenschafter strebten nach Überwindung der deutschen
Kleinstaaterei, forderten mehr politische Mitsprache und
förderten den Jahnschen Turngedanken. Ihnen war aber auch eine
gewisse Deutschtümelei eigen, also eine Betonung des
christlich-deutschen Gedankens (z.T. verbunden mit
Nationalchauvinismus und christlich geprägtem Antisemitismus).
Äußerlich waren sie an ihrer „Altdeutschen Tracht“ zu erkennen.
Das Wartburgfest am 18.
Oktober 1817 führte auf Einladung der Jenaischen Burschenschaft
etwa 500 Studenten der meisten (protestantischen) deutschen
Universitäten auf der Wartburg bei Eisenach zusammen. Anlaß
waren die 300. Wiederkehr der Reformation und der 4. Jahrestag
der Völkerschlacht bei Leipzig. Das Fest hatte maßgeblichen
Anteil an der Ausbreitung der burschenschaftlichen Idee, die
ursprünglich auf den Zusammenschluß aller deutschen Studenten
abzielte. Dieser Gedanke wurde aber spätestens in den 1820er
Jahren aufgegeben. 1818 wurde die Allgemeine Deutsche
Burschenschaft gegründet, die allerdings nicht lange bestand,
auch wenn sich die Burschenschafter immer wieder zu
Burschentagen trafen.
Erste Demagogenverfolgung
und Spaltung der Burschenschaft
Während die geistigen Väter wie Arndt, Fichte, Friesen und
Luden die Burschenschaft förderten, beargwöhnten die Behörden die
gegen die monarchische Ordnung gerichteten Aktivitäten der
Burschenschaft. Die reaktionäre Mehrheit der Fürsten nutzte die
Chance, nach Ermordung des Dichters und Burschenschaftsgegners
August von Kotzebue durch den Jenaer und Erlanger Burschenschafter
Carl Ludwig Sand. Mit den „Karlsbader Beschlüssen“ des Bundestages
(Deutscher Bund) vom 20. September 1819 wurde die Burschenschaft
verboten, die polizeilichen Maßnahmen verstärkt und das universitäre
Leben noch stärker reglementiert und überwacht. Eine eigens
gegründete Zentraluntersuchungskommission in Mainz überwachte
Studenten und Professoren und zwang die Burschenschaft in die
Illegalität. Geduldet wurden nur noch die unpolitschen (neuen)
Landsmannschaften und Corps.
Ende der 1820er Jahre
entspannte sich die Lage. Jetzt aber verstärkten sich die
Differenzen innerhalb der Burschenschaft zwischen Germanen
(Betonung des waffen-studentischen und politischen Charakters
der Burschenschaft) und Arminen (Betonung der Sittlichkeit und
der Erziehungsaufgabe). 1829 wurden die Arminen aus der
Burschenschaft gedrängt. Die Germanen strebten, beflügelt von
der Juli-Revolution in Frankreich 1830, immer stärker den
politischen Umsturz an. Die demokratisch-republikanischen Ideen
hatten mittlerweile Verbreitung in der Bevölkerung gefunden, was
neben der Gründung von Bürger-, Preß- und Nationalvereinen zum
Hambacher Fest vom 27. Mai 1832 führte. Im Zug von
Burschenschaftern und Bürgern auf das Hambacher Schloß wurden
die burschenschaftlichen Farben schwarz-rot-gold mitgeführt und
galten seitdem als die Farben des deutschen Einheits- und
Freiheitsstrebens.
Frankfurter
Wachensturm und März-Revolution 1848
Diese Entwicklung endete vorerst mit dem
burschenschaftlichen Umsturzversuch vom 3. April 1833, der als
„Frankfurter Wachensturm“ in die Geschichte eingegangen ist. Die
erneute Verfolgung der Burschenschafter führte zur Verurteilung
von Hunderten zu z.T. langjähriger Festungshaft. Zahlreiche
Burschenschafter flohen ins Ausland, wo sie sich z.B. am
Freiheitskrieg der Griechen gegen die Türken beteiligten.
Erst Anfang des nächsten Jahrzehnts konnten die ersten
Burschenschaften wieder aktiv werden. Den Behörden gegenüber
traten sie dabei aber als unpolitische Vereinigungen auf, weil
ihnen sonst die universitäre Zulassung versagt geblieben worden
wäre.
Die Februar-Revolution 1848
in Frankreich führte auch zu revolutionären Entwicklungen in
Deutschland. Die Revolution zwang die Fürsten zu
Zugeständnissen. Es wurden Verfassungen erlassen und Wahlen zur
deutschen Nationalversammlung („Frankfurter
Paulskirchenparlament“) abgehalten, die eine gesamtdeutsche
Verfassung ausarbeiten sollte. Groß- und Kleindeutsche,
Republikaner und Monarchisten, Liberale und Konservative rangen
lange, bis die Verfassung am 28. März 1849 beschlossen werden
konnte. Die dem Parlament angehörenden etwa 150 Burschenschafter
waren in allen Fraktionen vertreten. Diese erste demokratische
Verfassung wurde Muster für alle späteren Verfassungen in
Deutschland, auch wenn sie de facto nicht inkraft trat. Die
Ablehnung der Kaiserkrone durch den preußischen König Friedrich
Wilhelm IV., die Revolutionsmüdigkeit weiter Teile der
Bevölkerung und das Wiedererstarken der reaktionäre Kräfte
führten zur Auflösung des Parlamentes und zur Niederlage der
Revolutionäre.
Progresszeit und
Vollendung der deutschen Einheit
Bei den Burschenschaften waren in den 1840er Jahre die
sog. Progressburschenschaften maßgebend, die neben der
Einschränkung des studentischen Zweikampfes eine stärker
politische Arbeit (in sog. Kränzchen) propagierten und dabei
auch mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten
wollten. Der Progress wollte auch die elitäre Stellung der
Studenten beseitigen und verfolgte auch die alte
burschenschaftliche Idee, alle Studenten in Allgemeinheiten
zusammenzufassen. Er verschwand aber Mitte der 1850er Jahre
wieder, die Burschenschaften betonten wieder mehr ihren
waffenstudentischen Charakter.
Die Zeit zwischen 1848 und 1871 war auch die Zeit der
Kartellbildung. In dieser Zeit entstanden das Norddeutsche
Kartell (1855), das Süddeutsche Kartell (1861), das Rote oder
Exclusive Kartell (Vorläufer des Roten Verbandes) und das
Grün-Weiß-Rote Kartell. Der Gegensatz der Kartelle verhinderte
einen Zusammenschluß aller Burschenschaften, der erst auf
Initiative der drei Urburschenschaften mit dem Allgemeinen
Deputierten-Convent (ADC, seit 1902 Deutsche Burschenschaft) in
Eisenach gelang. Die Gegensätze der Kartelle und Richtungen
(Arminen und Germanen) wurden übertüncht, indem man sich auf
einen Minimalkonsens einigte.
Kaiserreich und 1.
Weltkrieg
An der deutschen Vereinigung und der Entstehung des
Bismarckreiches hatten die Burschenschaften keinen maßgeblichen
Anteil, auch wenn ohne ihre Vorarbeit hinsichtlich eines
gesamtdeutschen Bewußtseins die Einigung sicher nicht möglich
gewesen wäre. Auch wenn die Freiheits- und Mitwirkungsrechte der
Parlamente nicht im Sinne der Urburschenschaft und der Revolution
von 1848 im zweiten Kaiserreich verwirklicht waren, wurde die
Schaffung des Deutschen Reiches vehement begrüßt, die einstigen
liberalen Forderungen zurückgestellt.
Die Corps wurden zur maßgeblichen und in der Öffentlichkeit am
stärksten wahrgenommenen Verbindungsform im Kaiserreich; „Corps“
wurde zum Synonym für „Studentenverbindung“, was dann umgekehrt seit
den 1920er Jahren für die Burschenschaft gilt.
Die Burschenschaften glichen sich den anderen waffenstudentischen
Verbindungen, insbesondere den Corps, unter Betonung des
korporativen Elements immer mehr an. Äußerlichkeiten wurden betont
und die nunmehr auch verpflichtenden Bestimmungsmensur prägend.
Durch die Zunahme der Zahl der Burschenschaften - wie auch der
anderen Studentenverbindungen - im Zuge des Anstiegs der
Studentenzahlen führte auch zu erheblichem Mitgliederzuwachs im ADC.
Das brachte die alten Kartelle in die Minderheit, das
burschenschaftliche Leben verflachte zusehends.
Andererseit erfolgte eine weitere Institutionalisierung durch
Gründung von Altherren-vereinen (AHV), die das Aktivenleben für die
immer größer werdenden Burschenschaften auf eigens gebauten
Korporationshäusern ermöglichten. Parallel zur Deutschen
Burschenschaft (DB) erfolgte die Gründung der Vereinigungen Alter
Burschenschafter (VAB). Diese Zusammenschlüsse der alten Herren
aller Universitätsburschenschaften und die Gründung der
Burschenschaftlichen Blätter erhöhten die Einflußnahme der Alten
Herren. Durch die VAB wurden auch der Bau des
Burschenschaftsdenkmals und des Burschenhauses auf der Göpelskuppe
bei Eisenach sowie die Etablierung einer burschenschaftlichen
Geschichtsforschung möglich.
Neben den klassischen Universitäten wuchsen aber auch die im
Kaiserreich gegründeten Technischen Universitäten. Die an ihnen sich
bildenden Burschenschaften gründeten 1900 ihren eigenen Verband, den
Rüdesheimer Deputierten Convent (RDC), später Rüdesheimer Verband
Deutscher Burschenschaften (RVDB). Außerdem etablierten sich
Reformburschenschaften, die sich 1883 zum Allgemeinen Deutschen
Burschenbund (ADB) zusammenschlossen. Der ADB lehnte den
studentischen Zweikampf und anfangs auch die Bestimmungsmensur ab.
Sie wollte das waffenstudentische zugunsten einer stärkeren
Besinnung auf die urburschenschaftliche Idee zurückdrängen.
In burschenschaftlichen Kreisen entstand in den 1880er Jahren die
moderne Form des Antisemitismus, nunmehr basierend auf den Lehren
von Gobineau und Chamberlain auch rassisch motiviert. Außerdem wurde
das Nationale stark betont; die Deutsche Burschenschaft (DB) wurde
z.B. korporatives Mitglied im Alldeutschen Verband, im Deutschen
Kolonialverein und im Verein für das Deutschtum im Ausland.
Obwohl Otto von Bismarck
Corpsstudent gewesen war, genoß er hohes Ansehen bei den
Burschenschaften, das auch nach seinem Ausscheiden als
Reichkanzler in zahlreichen Bismarckhuldigungen Ausdruck fand;
die größte fand 1895 zu Bismarcks 80. Geburtstag in
Friedrichsruh statt. Nach seinem Tod 1898 initiierte die
Burschenschaft unter Führung der Bonner Alemannen die
Bismarcksäulen-Bewegung. Ab 1901 entstanden hierdurch zahlreiche
Bismarcktürme / -säulen.
In den 1. Weltkrieg zogen die Burschenschafter mit derselben
Kriegsbegeisterung wie andere Teile der Bevölkerung. Man glaubte
an ein schnelles siegreiches Ende und empfand den Krieg als
etwas Reinigendes und als Möglichkeit, seine Vaterlandsliebe
aktiv zu beweisen. Dafür zahlten die Burschenschafter einen
hohen Blutzoll.
Weimarer Repubik
Die aus dem Weltkrieg heimkehrenden Burschenschafter
standen der an die Stelle der monarchischen Ordnung getretenen
Weimarer Republik meist ablehnend gegenüber. Die „Dolchstoßlegende“
und die Angst vor dem Kommunismus waren weit verbreitet. Daher
beteiligten sich zahlreiche Burschenschafter in Freikorps an der
Niederschlagung kommunistischer Aufstände und an den
Grenzlandkämpfen in Oberschlesien, Kärnten und dem Baltikum.
1919 wurden Deutsche Burschenschaft und Rüdesheimer Verband
verschmolzen und die Vereinigung mit der Burschenschaft der Ostmark
(Deutsch-Österreich) beschlossen. Die DB beteiligte sich auch an der
Gründung der Deutschen Studentenschaft (DSt), die im großdeutschen
Geist Studentenvertretungen aller Universitäten des deutschen
Sprachraums vereinigte. Die DSt verstand sich als studentische
Selbstverwaltung und Interessenvertretung aller, auch der
nichtkorporierten Studenten. Der maßgeblich von burschenschaftlicher
Seite getragene völkische Deutsche Hochschulring (DHR) dominierte
bis Mitte der 1920er Jahre die Arbeit der DSt.
Den Ausgleich mit den anderen waffenstudentischen Verbänden brachte
1921 der Abschluß des Erlanger Verbände- und Ehrenabkommens (EVA).
Die DB trat dabei auch dem Allgemeinen Deutschen Waffenring (ADW)
bei, dem sie bei seiner Gründung 1919 noch ferngeblieben war.
Die Deutsche Burschenschaft wurde zunehmend politisiert und gerierte
sich betont antirepublikanisch. Schwerpunkt der Betätigung lagen in
der Volkstumsarbeit (Grenzlandfahrten), der Förderung des
Wehrgedankens durch verstärkten Sport und später in der Durchführung
von Wehrlagern zur vormilitärischen Ausbildung. Die Nähe zum rechten
politischen Lager manifestierte sich auch in der Beteiligung am
Volksbegehren gegen den Young-Plan und dem Verhalten gegenüber den
Juden. Bereits der Burschentag 1920 hatte die Nichtaufnahme von
jüdischen Studenten beschlossen; 1923 folgte der
Nichtvereinbarkeitsbeschluß hinsichtlich Freimaurern.
Die allgemeine Radikalisierung der Studentenschaft, nicht nur der
Burschenschaften, wurde deutlich im sog. Verfassungstreit der DSt
mit dem preußischen Kultusminister Becker um die Mitgliedschaft der
nicht-reichsdeutschen Studentenschaften, die jüdischen Studenten die
Mitgliedschaft verweigerten. Becker löste daraufhin die
Studentenschaften in Preußen auf, die aber zumeist als freie
Studentenschaften mit finanzieller Unterstützung der DB und anderer
Korporationsverbände wiederentstanden.
Der 1926 gegründete Nationalsozialistischen Studentenbund (NSDStB)
konnte immer mehr Einfluß in der DSt erlangen. Ihm gehörten auch
zahlreiche Burschenschafter an. Nachdem der NSDStB 1931 auch mit
Hilfe der Korporationsverbände die Führung der DSt übernommen hatte,
verstärkte er seine Angriffe gegen die Korporationen und versuchte
das Führerprinzip einzuführen. Die DB und die anderen Verbände
traten dem NSDStB zu spät entgegen.
Während der NSDStB als politischer Gegner wahrgenommen wurde, hatten
viele, vor allem jüngere Burschenschafter Sympathien für den
Nationalsozialismus und Hitlers Nationalsozialistische Deutsche
Arbeiterpartei (NSDAP). Der Wunsch nach einem Dritten Reich unter
einem starken Mann war sehr weit verbreitet, auch wenn die alten
Burschenschafter die Radikalisierung eher skeptisch betrachteten.
Drittes Reich und 2. Weltkrieg
Viele Burschenschafter begrüßten den Regierungsantritt von Hitler.
Die Deutsche Burschenschaft und andere Korporationsverbände sandten
Huldigungsadressen und führten im vorauseilenden Gehorsam das
Führerprinzip ein. Der staatsstreichartig zum Führer der DB
eingesetzte und vom Burschentag 1933 bestätigte Dipl.-Ing. Otto
Schwab wollte die DB zum einzigen nationalsozialistischen
Korporationsverband machen. ADB-Bünde wurden daher in die DB
aufgenommen, Schwabs weitere Maßnahmen, insbesondere die Schaffung
eines Einheitsbundes mit Einheitsmütze stießen auf Opposition. Die
über das von der NSDAP geforderte Maß hinausgehenden
Arierbestimmungen des ADW vom Juni 1933 wurden durchgesetzt und die
sich wiedersetzenden Burschenschaften ausgeschlossen. Mit seinem
Anbiederungskurs spaltete Schwab die DB. Aus der DB-internen
Opposition, der Losen Arbeitsgemeinschaft, ging 1934 der
Altburschenschaftliche Ring hervor, der sich 1935 als
Konkurrenzverband Alte Burschenschaft (DAB) nannte. Schwab geriet
aber auch in den Gegensatz zur im Januar 1935 gegründeten
Gemeinschaft Studentischer Verbände (GStV), die unter der Führung
des Leiters der Reichskanzlei Dr. Lammers stand, und zum ADW. Der
von der DB daraufhin gegründete Völkische Waffenring (VWR) hatte nur
kurz Bestand.
Schwabs Nachfolger Hans Glauning suchte vergeblich den Ausgleich mit
dem NSDStB. Die im Plauener Abkommen vereinbarte Überführung der in
der DB verbliebenen Burschenschaften als Kameradschaften in den
NSDStB beendete am 18. Oktober 1935 die Existenz der DB. GStV und
DAB hatten sich wie die meisten Korporationsverbände bereits kurz
vorher aufgelöst.
Spätestens Anfang 1936 war klar, daß die NSDAP keine Konkurrenz zum
NSDStB in Form der Korporationen dulden würde. Die letzten
Burschenschaften lösten sich im Sommersemester 1936 auf. Viele AHV
verkauften daraufhin ihre Verbindungshäuser.
1936 wurde Gustav-Adolf Scheel Reichstudentenführer (RStF). Das Amt
vereinigte die Führungsfunktionen von NSDStB und DSt. Scheel wollte
die durch Staat und Partei verprellten Korporationsstudenten und
Alten Herren wiedergewinnen. Er erreichte durch Versprechungen und
Druck, daß die noch verbliebenen Korporationshäuser den
NS-Kameradschaften zur Verfügung gestellt wurden und faßte die
wesentlichen Teile der Alten Herren im NS-Altherrenbund zusammen, um
die Finanzierung der Kameradschaften zu sichern. Die Alten Herren
hofften, ihr burschenschaftliches Erbe - wenn auch mit
Einschränkungen - an die Kameradschaften tradieren zu können, was
z.T. auch gelang. Die Kameradschaften wurden im Laufes des 2.
Weltkrieges sogar zunehmend „korporatisiert“, d.h. sie glichen sich
den alten Korporationen an.
Neuanfang nach dem 2.
Weltkrieg und Trennung
Schon vor dem Kriegsende war der Universitätsbetrieb durch
das alliierte Bombardement zum Erliegen gekommen. Die
Korporationshäuser waren vielfach zerstört, viele Burschenschafter
gefallen oder in Kriegsgefangenschaft. Trotzdem kam es kurz nach
Wiedereröffnung der Hochschulen zu (Wieder-)Gründungen von
Burschenschaften in den westlichen Besatzungszonen. Mit Rücksicht
auf das Besatzungsrecht, das die Korporationen als NS-nahe
Vereinigungen verboten hatte und das eine Zulassung durch die
Universitätsoffiziere reglementierte, wurden die Gründungen durch
die Studenten unter Tarnbezeichnungen vollzogen. Die sich wieder
formierenden AHV und die burschenschaftlich gesinnten
Studentenvereinigungen benötigten einige Zeit, bis wieder aktive
Burschenschaften mit dazugehörigen AHV bestanden. Viele
Burschenschaften aus dem Osten mußten sich in anderen
Universitätsorten eine neue Heimat suchen, einige fusionierten und
andere bestanden nur noch als AHV.
Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Wegfall des
Besatzungsrechtes ermöglichte 1950 die Wiederbegründung der
Deutschen Burschenschaft in Marburg und der VVAB in Bingen. Die
Bestimmungsmensur wurde wieder zum verpflichtenden Verbandsprinzip,
die Aufnahme der Burschenschaften in Österreich aber abgelehnt. Die
wieder auftretenden Differenzen zwischen germanistischer und
arministischer Richtung, die Frage der Pflichtmensur, die Aufnahme
von Kriegsdienstverweigern und die Forderung nach der Aufnahme der
Österreicher prägten die Auseinandersetzung im Verband. Der sog.
historische Kompromiß 1971, der die Pflichtmensur abschaffte und die
Aufnahme von deutschen Burschenschaften in Österreich ermöglichte,
lösten die Probleme nur vordergründig.
Die deutsche Einheit 1990 ermöglichte die Rückkehr einiger
Exilburschenschaften an ihre alten Hochschulorte und die Rückkehr
der Deutschen Burschenschaft nach Eisenach. An der alten
burschenschaftlichen Stätte fand 1991 der erste Burschentag nach der
Wiedervereinigung statt und der Denkmalerhaltungsverein konnte
Burschenschaftsdenkmal und Burschenhaus wieder in Besitz nehmen. Die
40 Jahre davor hatte die DB meist in Landau / Pfalz ihre
Burschentage abgehalten.
Die Entwicklung nach 1991 führte aber immer mehr zur Spaltung der
Burschenschaft. Die neben den alten Kartellen wegen der
Österreicherfrage in den 1960er Jahren entstandene
Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG) bildete eine immer mehr an
Einfluß gewinnende Fraktion in der DB. Die liberal gesinnten Bünde
(Marburger Ring, Hambacher Kreis, Roter Verband) konnten ihre
Vorstellungen von burschenschaftlicher Arbeit im arministischen
Sinne nicht mehr durchsetzen und traten daher seit Anfang der 1990er
Jahre in größerer Zahl aus. Das Süddeutsche Kartell hatte bereits in
den 1970er Jahren die DB verlassen. Einige der ausgetretenen oder
von der DB ausgeschlossenen Burschenschaften gründeten im Januar
1996 in Hannover die Neue Deutsche Burschenschaft, der heute 22
Mitglieder angehören.